„Das Granitgrab” – der erste Bornholm Krimi von Pernille Boelskov

„Das Granitgrab”

„Das Granitgrab” – der erste Bornholm Krimi von Pernille Boelskov

Im Nordwesten, dort wo Bornholm so nah an Schweden liegt, dass man das Nachbarland sogar bei mäßiger Sicht am Horizont sieht, schmiegt sich Vang an die Steilküste. In Serpentinen windet sich die einzige Straße zum Hafen hinunter. Südlich des Dorfes ist Bornholms Grundgestein tief ins Land hinein aufgerissen: Vangbruddet in den Ringebakkerne, ein stillgelegter Granitbruch. Hier findet ein älteres Ehepaar bei einem Spaziergang mit ihrem Hund einen Toten, augenscheinlich ermordet. Erst einmal ist es eine unbekannte Leiche. In seinen Taschen steckt ein Flyer der Skt. Nicolai Kirke in Rønne. Da fragt die Polizei natürlich in der Kirche an, ob man den Mann dort kannte. Vielleicht hat er sich als Tourist die Kirche angesehen, oder hatte er näheren Kontakt zur Gemeinde?

Das_granitgrab_bogen_uden_baggrundNormalerweise ist die Stimmung im Pfarrbüro Rønne gedämpft. Die vier Pfarrer der St.-Nicolai-Gemeinde kümmern sich um sich selbst, …‹ Hier geht’s zur Leseprobe aus „Das Granitgrab” und zu den Bezugsmöglichkeiten des Bornholm-Krimis als E-Book oder Printausgabe.
In der Skt. Nicolai Kirke in Rønne soll Agnethe Gottes Wort verkünden - sie ermittelt aber auch gern.

In der Skt. Nicolai Kirke in Rønne soll Agnethe Gottes Wort verkünden.

Auch die junge Pfarrvikarin Agnethe Bohn bekommt ein Bild vorgelegt, das helfen soll, den Toten zu identifizieren. Sie erkennt das Kreuz, das da auf bleichem Hals liegt. Sie kannte den Mann, der es trug. Sie kannte ihn sogar besser, als ihre Pfarrer-Kollegen ahnen und akzeptieren würden. Daniil Khristov. Ein junger Russe.

Daniil, der Russe

Agnethe kam dem Opfer nahe, als er Hilfe suchte, seine Wurzeln auf Bornholm aufzuspüren und seinen Großvater zu finden. Agnethe ist aber auch mit jenem Polizisten in Rønne verwandt, der die Ermittlungen leitet: Lars Bohn Hansen, ihr älterer Cousin. Agnethe und Lars sind in ihrer Jugend unzertrennlich, aber dann zerbrechen die Familienbande. Agnethe wird zum schwarzen Schaf, verlässt Bornholm und ist gerade erst auf die Insel zurückgekommen, um ihre erste Stelle anzutreten, aber auch, um mit ihrer Vergangenheit ins Reine zu kommen.

Polizei setzt auf Drogenmilieu

Die Polizei glaubt nicht an die Geschichte von Daniils Suche nach Verwandten. Für sie ist das eine klare Sache, wenn ein Osteuropäer, der auch noch im edelsten Inselhotel logiert, gewaltsam zu Tode kommt: Das kann nur Streit im Drogenmilieu sein. Drogenkuriere nutzen, davon ist die Polizei überzeugt, Bornholms exponierte Lage weit im Osten als Umschlagplatz. Was also sollte es sonst sein?

Agnethe will das nicht akzeptieren. Oder hat sie sich naiv einem Schwindler hingegeben, der sie nur ausgenutzt hat, um seine wahren Absichten auf der Insel zu verschleiern? Und dann ist da noch die Pfarrerin in ihr, die ihrem jungen Russen einen würdigen Abschied gewähren will, und nicht eine Reise in einer schmucklosen Kiste auf dem Weg in ein anonymes Grab irgendwo in Russland, wo er keine Angehörigen mehr hat, wie Vetter Lars inzwischen ermittelt hat. Agnethe lässt also nicht locker, nach Daniils Bornhomer Familie zu suchen, selbst als ihre Vorgesetzten sie zurück pfeifen. Offensichtlich funktioniert der Inselklüngel, denn Agnethe nervt nicht nur die Polizei, sie tritt auch einigen angesehenen Bornholmern auf die Füße und da haben viele auf der Insel beste Kontakte und einen ganz kurzen „Dienstweg” zu ihrem Chef.

Die-Leiche-in-Noerrekaas… wir werden unten in Nørrekås gebraucht. Man hat eine Leiche aus dem Hafenbecken gefischt…‹, Pernille Boelskov hat neben ihrem Debut-Roman noch Kurzkrimi verfasst: Hier gibt’s eine Leseprobe aus „Die Leiche in Nørrekås” und die Bezugsoptionen

Historische Note: Die Russen auf Bornholm

Warum überhaupt ein junger Russe einen Großvater auf Bornholm sucht, hat einen selbst vielen Dänen kaum bekannten historischen Hintergrund: Die Insel war nach Ende des Zweiten Weltkriegs 11 Monte von Russen besetzt – oder von russischen Befreiern beschützt, je nach Blickwinkel. Da in der Roten Armee nach dem für die Sowjetunion so verlustreichen Krieg viele Frauen Dienst taten und etliche Soldatinnen bis in Offiziersränge auf Bornholm stationiert waren, ist es durchaus vorstellbar, dass Daniil einen Bornholmer Großvater hat. Und je tiefer Agnethe Bohn die Bornholmer Wurzeln von Daniel ausgräbt, desto näher kommt sie dem Mörder, gefährlich nah …

Warum überhaupt ein junger Russe einen Großvater auf Bornholm sucht,… Die historischen Hintergründe des Bornholm Krimis „Das Granitgrab“ finden Sie hier: Elf Monate unter der Roten Armee – Bornholms kaum bekannte Geschichte

Autorin Pernille Boelskov (Foto © Rasmus Kahlen)

Pernille Boelskov verbindet in ihrem Debütroman eine spannende Kriminalgeschichte durch geschickt eingestreute Zeitsprünge mit der russischen Periode Bornholms – das ist nicht nur gut geschriebene Spannung sondern auch sorgfältig recherchierte Geschichte. Und eine Pfarrerin, die selbst von Berufs wegen mit dem Tod zu tun hat, aber ganz anders als klassische Ermittler damit umgeht, auf Mördersuche zu schicken, ist ein gelungener Coup. Pernille Boelskov zeichnet dabei ihre Agnethe Bohn überzeugend als eine oft von Selbstzweifeln gequälte, aber, wenn es um ihre Prinzipien geht, willensstarke Person – eine neue, starke Figur im Kreis der nordischen Ermittler. „Das Granitgrab” macht den Anfang einer Krimireihe mit Agnethe und ihren Cousin Lars als Ermittler-Duo wider Willen. Noch vor Weihnachten soll in Dänemark der zweite Band „Bornholmerdybet” erscheinen, benannt nach den reichen Fischgründen östlich der Insel.

Großartige Übersetzung

Ein ganz großes Plus: Auch wenn „Das Granitgrab” bei einem kleinen Bornholmer Verlag erscheint, besticht die deutschsprachige Ausgabe mit einer professionellen Übersetzung ohne Fehl und Tadel. Pernille Boelskov hatte das Glück, Patrick Zöller zu treffen, seit langem bekennender Bornholmfan, aber auch namhafter Übersetzer dänische Literatur ins Deutsche. U.a. übersetzte er die populären Thriller von Jesper Stein für Kiepenheuer & Witsch.

Auch Bornholm kleinste Rundkirche in Nyker spielt eine Rolle in „Das Granitgrab”

Auch Bornholm kleinste Rundkirche in Nyker spielt eine Rolle in „Das Granitgrab”

Deutsche Bornholmfans werden es lieben, Agnethe bei ihren Ermittlungen auf der Insel zu begleiten, die sie u.a. nach Pedersker, Tejn und Nexø führen. Auch die Kirche von Nyker, in der Agnetes Großvater zu Kriegszeiten Pfarrer war, spielt eine Rolle. Deutsche Touristen tauchen in Pernilles Debut Roman sogar direkt auf. „Die gibt es im Sommer immer hier auf der Insel, es wäre also unnatürlich, würde ich sie zum Beispiel als Kirchenbesucher nicht auftreten lassen”, erklärt mir die Autorin in einem Gespräch, das ich mit ihr im Vangbruddet führte, dort, wo Daniils Leiche gefunden wurde. Mehr dazu unter „Treffen am Tatort”.

Treffen am Tatort - Hans Klüche traf Pernille Boelskov im Vangbruddet

Treffen am Tatort – Hans Klüche und Pernille Boelskov im Vangbruddet

© Hans Klüche Juni 2016