Streit um Bornholms Fährverbindungen

Urlaubsfeeling beginnt in Bornholm schon bei der Seereise auf die Sonneninsel – M/F Povl Anker im Hafen von Rønne.

Auf Bornholm kocht die Volksseele. Dänemarks Regierung will ab 2017 staatliche Zuschüsse für die Fähranbindung der Insel ans Mutterland drastisch reduzieren. Das hat indirekt Folgen für die nicht subventionierte Direktroute ab Deutschland. Von der Einstellung bedroht, wie einige deutsche Bornholmfans schon argwöhnen, ist die Route zwischen Rügen und Bornholm aber wohl nicht. Hintergrundinformationen zur Diskussion haben wir zusammengestellt und werden sie laufend aktualisieren. Ganz wichtig aber: Vor 2017 ändert sich im Fährverkehr von und nach Bornholm kaum Wesentliches!

Online-Petition zum Verkehrsvertrag

An dieser Stelle gab es den Link zur dänischen Online-Petition, die auch Deutsche unterzeichnen konnten. Die Forderung nach Neuverhandlung und Verbesserung des ›Verkehrsvertrages Bornholm< wurde von über 26 000 Menschen unterzeichnet. Inzwischen sind die Unterschriftensammlung auf der Insel und die Online-Petition geschlossen, wer sich noch über die Ziele informieren will findet alle Infos zur Petition auch auf Deutsch unter Bornholm sagt NEIN zum Verkehrsvertrag 2014. .

Bornholmer fühlen sich benachteiligt

Die Katamaran-Fähre Villum Clausen läuft in Rønne ein

Die Bornholmer sind sauer, fühlen sich übersehen und in die Ecke gedrängt: ›Bornholm existiert einfach nicht auf Christiansborgs Landkarte, wenn es sich um die verkehrsmäßige Gleichstellung dreht‹, heißt es in der Begründung für die Online-Petition ›Bornholm sagt NEIN zum Verkehrsvertrag 2014‹ [Anm. d. Red.: Christiansborg, Sitz von Parlament und Regierung, steht in Dänemark synonym für die Macht im Staate]. In der Neuregelung dieses sogenannten ›Verkehrsvertrages Bornholm‹, der ab 2017 wirksam wird, stellt der dänische Staat klar, was er von einer Reederei erwartet, die die Fähranbindung der Ostseeinsel ans Mutterland im öffentlichen Auftrag betreibt, und was er gewillt ist, dafür an staatlichen Zuschüsse zu zahlen. Dieser Verkehrsvertrag ist dann Basis für eine europaweite, öffentliche Ausschreibung der Fährlinien zwischen dem dänischen Køge bzw. dem schwedischen Ystad und Bornholm. Die Linien werden seit 2010 unter dem Markennamen ›BornholmerFærgen‹ von der auch auf anderen innerdänischen Routen aktiven Reederei Færgen betrieben, die aus der staatseigenen BornholmsTrafikken hervorging.

Die staatlichen Zuschüsse sollen für die Bornholmer Bevölkerung und Wirtschaft Infrastruktur-Nachteile ausgleichen, die sich aus der Randlage ihrer Insel im Verhältnis zum Rest Dänemarks ergeben. Aber der Staat will sparen und so sollen ab 2017 gegenüber dem derzeit laufenden Verkehrsvertrag jährlich 60 Mio. Kronen, ca. 8 Mio Euro, eingespart werden. Die von Færgen betriebene Direktroute zwischen Sassnitz auf Rügen und Rønne auf Bornholm war jedoch nie Bestandteil staatlicher Zuschüsse sondern ist ›Privatvergnügen‹ der Rederei und musste schon immer wirtschaftlich rentablen betrieben werden. Dafür nutzt Færgen freie Kapazitäten seiner Schiffe.

Bringt der Sparkurs Færgen auf falschen Kurs?

Der IC-Bornholm von Kopenhagen direkt zur Fähre in Ystad soll ab 2017 entfallen Bornholm

Der IC-Bornholm von Kopenhagen zur Fähre in Ystad soll ab 2017 entfallen …

Der neue Verkehrsvertrag sieht ab 2017 vor, den öffentlichen Verkehr zwischen Kopenhagen und dem schwedischen Ystad, Anlaufhafen der für den Personentransport wichtigen Katamaran-Fähren, drastisch zu reduzieren. Noch korrespondieren mit fast jeder Ankunft und Abfahrt der Bornholmer Fähren in Ystad sowohl IC-Zug-  als auch Schnellbusverbindungen zwischen dem Anleger in dem schwedischen Hafen und dem Kopenhagener Hauptbahnhof. Ab 2017 sollen die Zugverbindungen komplett entfallen: ›Behinderte, sowie Passagiere mit Kinderwagen und Reisende mit Fahrrädern werden im Stich gelassen‹, heißt es in der Online Petition.

... und der BornholmerBus soll das Monopol für die Strecke Kopenhagen - Ystad bekommen.

… und der BornholmerBus das Monopol für die Strecke Kopenhagen – Ystad bekommen.

Darüber hinaus sollen die Zuschüsse für eine große ›Reservefähre‹ gestrichen werden. Ein solche muss nach dem bis 2016 geltenden Verkehrsvertrag bereit liegen, um die Katamaran-Fähren ersetzen zu können, wenn die bei hohem Wellengang oder bei Eisbildung nicht auslaufen können. So wurden im Januar 2015 über zwei Dutzend Katamaran-Abfahrten zwischen Rønne und Ystad aufgrund widriger Bedingungen gestrichen. Immer dann schlägt die Stunde der Povl Anker: Die 1500 Passagiere fassende, konventionelle Fähre ist mehrfach generalüberholt seit 1978 im Fährverkehr von und nach Bornholm unterwegs und wird wegen ihrer Robustheit und Zuverlässigkeit bei den Inselbewohnern als ›Allwetterfähre‹ geradezu verehrt. Bis 2016 ist ihr Einsatz durch den laufenden Verkehrsvertrag gesichert, selbst wenn sie oft wochenlang nur am Kai liegt, aber trotzdem immer startklar sein muss.

Ab 2017 soll für die Reservefähre eine Kapazität von lediglich 400 Passagieren reichen, das wäre auf die Passagier-Fracht-Kombifähre Hammerodde zugeschnitten, die nachts von Rønne nach Køge und zurück verkehrt. Hammerodde ist ähnlich groß wie Povl Anker, aber vorrangig für den Transport von LKW und Trailern konzipiert. Sie bietet mehr als 1,2 km Ladefläche für Fahrzeuge, Povl Anker nur 550 m.

Folgen für die Direktroute Rügen – Bornholm

M/S Hammerodde hat viele Lademeter für Fahrzeuge, aber nur Platz für 400 Passagiere

So hat die Hammerodde, wird sie im Urlaubsverkehr eingesetzt, immer ausreichend Platz für Autos, Wohnmobile und Gespanne, aber bei 400 Fahrgästen ist sie ›ausverkauft‹, erfahrungsgemäß bei etwa 120 PKW-Einheiten. Das reicht seit Jahren auf der Direktroute zwischen Rügen und Bornholm an schwachen und normalen Reisetagen aus, an starken wird jedoch die Povl Anker eingesetzt und an Spitzentagen fahren sogar beide Fähren nahezu zeitgleich hintereinander her. Würde die Povl Anker ab 2017 ersatzlos wegfallen, wäre die Deutschlandroute mit der Hammerodde allein kaum rentabel zu betreiben, glauben einige Schifffahrtsexperten. Færgen erklärte indes auf Anfrage von Bornholm.de, dass man die Sassnitz-Route weiter betreiben möchte, man müsse halt sehen, was mit den ab 2017 zur Verfügung stehenden Kapazitäten möglich ist. Auf keinen Fall aber hat die Hammerodde für die touristisch wichtigen Sommer-Wochenenden – samstags ist auch auf Bornholm Ferienhaus-Wechseltag – ausreichende Passagierkapazitäten.

Bornholms Tourismus braucht ausreichende Fährkapazitäten ab Deutschland

Vertreter des Bornholmer Tourismus sehen in Einschränkungen auf der Deutschlandroute eine Gefahr für ihre Branche und damit für hunderte von Arbeitsplätzen. Sie wollen den Verkehrsvertrag neu verhandeln mit dem Ziel, die Kapazität der Reservefähre auf mindestens 1200 Passagiere festzuschrieben. Das sollte der Reederei, die die Bornholm-Verbindungen ab 2017 betreiben wird, Kauf oder Bau einer neuen Fähre ermöglichen oder alternativ die Povl Anker noch ein paar Jahre im Dienst zu belassen. Damit gäbe es auf der Route zwischen Deutschland und Bornholm weiterhin annähernd ausreichende Kapazitäten – bisher gab es immer nur an absoluten Spitzentagen mit Ferienbeginn in großen Bundesländern Engpässe.

Urlauber verlassen die Katamaran-Fähre Leonora Christina in Rønne

Um diese Forderung zu unterstützen, können Deutsche Bornholm-Fans bis in die zweite Februarhälfte hinein eine Online-Petition unterschreiben (siehe Kasten oben). Wie Petitions-Initiatorin Hanne Nimskov gegenüber Bornholm.de erklärte, hatten bis zum 10. Februar online oder bei einer parallel auf der Insel durchgeführten Unterschriften-Aktion weit über 20 000 Menschen die Petition unterzeichnet, Ende Februar sollen die Listen dem zuständigen Verkehrsminister vorgelegt werden.

Hanne Nimskov formuliert auch ein Fernziel: Wir brauchen auf lange Sicht für Bornholm zwei moderne Superfähren [Anm. der Redaktion: Highspeed-Fähren konventioneller Bauart] und dann haben wir rund ums Jahr ausreichende Kapazitäten auf allen drei Routen inklusive der nach Deutschland. Aber zwei solche Fähren kosten neu rund 2,6 Milliarden Kronen  (ca. 350 Mio. €) – das wird wohl frühestens zur Verkehrsvertrags-Runde 2027 etwas.

© Text: Hans Klüche 2015 / © Fotos: Hans Klüche (4), Færgen (2)