Bornholm liegt mitten in der südlichen Ostsee und ist von vielen Seiten in einer Tagesetappe erreichbar – von Rügen (Sassnitz oder Lauterbach) sind es rund 50 Seemeilen bis zum Hauptort Rønne. Greifswald und Peenemünde dienen als alternative Ausgangs- oder Zwischenhäfen. Das Revier verbindet einen großen, gut ausgestatteten Yachthafen mit einer Reihe kleiner Felsenhäfen und dem entlegenen Naturhafen von Christiansø. Dieser Ratgeber bündelt die Fakten, die man vor und während des Törns braucht – Häfen, Gebühren, Wetter und die Tücken der Ostküste.
Hafengebühren 2026 – nach Länge gestaffelt
Die kommunalen Häfen Bornholms rechnen 2026 nach einem einheitlichen, nach Bootslänge gestaffelten Tarif ab. Er gilt unter anderem für Rønne (Nørrekås), Gudhjem, Svaneke und Allinge und ist im offiziellen Takstblad der Region Bornholm festgelegt. Strom, Wasser und Dusche bzw. Bad sind im Preis bereits enthalten – das macht die Kalkulation einfach.
- Unter 7 m – 175 DKK pro Nacht
- 7 bis 10 m – 273 DKK
- 10 bis 13 m – 343 DKK
- 13 bis 16 m – 440 DKK
- 16 bis 20 m – 531 DKK
- 20 bis 30 m – 769 DKK
- Über 30 m – 1.090 DKK
Das Takstblad nennt reine Nacht-Tarife; verlässliche Mehrtages-Rabatte für die Bornholmer Häfen sind daraus nicht abzuleiten. Wer länger in einem Hafen bleiben will, fragt am besten direkt beim Hafenmeister nach.
Rønne Nørrekås – der große Stützpunkt
Rønne Lystbådehavn in der Bucht Nørrekås ist der größte Yachthafen der Insel und mit der Blauen Flagge ausgezeichnet. Hier liegen rund 100 Gastboote, und die Ausstattung deckt fast alles ab, was ein Törn-Stützpunkt braucht: Strom mit 230 V und 400 V, Wasser, WLAN, Diesel und Benzin, eine Werft sowie Sanitäranlagen mit Waschmaschinen. Das Stadtzentrum liegt nur etwa 400 m entfernt, sodass Einkauf, Lokale und Museen fußläufig erreichbar sind.
- Adresse – Bådehavnsvej 13, 3700 Rønne
- Hafenmeister – +45 56 92 23 20
Die Werft in Rønne übernimmt kleinere Reparaturen und führt Bootsbedarf. Wer dänische Seekarten an Bord braucht, sollte sie vor dem Hochsommer kaufen – zur Hauptsaison sind sie auf der Insel oft ausverkauft. Für das Revier ist die BSH-Seekarte Nr. 138 „Bornholm bis Öland und Ławica Słupska (Stolpebank)” einschlägig; das BSH stellt seine Papierkarten schrittweise auf internationale Karten (INT, DIN A1) um.
Die Felsenhäfen Gudhjem und Svaneke
Der typische Bornholmer Hafen ist ein in den Granit gebauter Felsenhafen – malerisch, aber bei auflandigem Wind anspruchsvoll. Die generelle Regel lautet: Gudhjem und Svaneke erfordern Erfahrung, und bei starkem Wind aus östlichen Richtungen werden Ansteuerung und Einfahrt durch Schwell zur Herausforderung. An dieser Inselseite ist dann besondere Vorsicht geboten.
Gudhjem hat eine schmale Einfahrt zwischen Felsen aus östlicher Richtung. Nahe der Ansteuerung liegen unbetonnte Felsen, über die bei auflandigem Wind die See bricht – die Ansteuerungslinie ist unbedingt einzuhalten. Bei auflandigem Wind über 10 m/s reduziert sich die nutzbare Liegekapazität. Als Ausweich- und Nothafen dient der nördlich gelegene, in den Fels gesprengte Hafen Nørresand. An den Stegen gibt es 230 V Strom und einen Bezahlautomaten, Wasser jedoch nur an wenigen Stellen; die Sanitäranlagen sind im roten Hafengebäude untergebracht, das zugleich Hafenmeisterbüro und Touristinfo beherbergt. Im Ort gibt es zwei größere Supermärkte und eine Fischräucherei. Der Hafen liegt an der Ejnar Mikkelsensvej 25, 3760 Gudhjem (Tel. 56 92 23 36). Mehr zum Städtchen im Guide Gudhjem.
Svaneke besteht aus einem Innenhafen und zwei Außenbecken. Bei starkem Ost-, Nordost- und Südostwind werden die Außenbecken durch Schwell sehr unruhig; bei auflandigen Stürmen wird das Schleusentor zum Innenhafen geschlossen. Wer bei Ostwind unterwegs ist, läuft besser das nahe Listed an als Svaneke. Die Versorgung ist gut: ein gut sortierter Supermarkt liegt fußläufig, dazu die Bäckerei Svaneke Brød und eine Fischwerkstatt am Hafen; eine Räucherei (Røgeri) befindet sich rund 500 m nördlich.
Klima, Wind und beste Segelzeit
Das Wetter auf Bornholm ist über die Saison hinweg vergleichsweise beständig. Von Mai bis August liegt der Wind im Mittel bei etwa 3 Beaufort und variiert übers Jahr nur wenig – das macht Tagesetappen gut planbar. Herbst und Winter bringen gelegentlich stärkere, vereinzelt orkanartige Winde, die besonders an der Nordküste spürbar sind. Die Sommermonate sind damit klar die ruhigste und verlässlichste Segelzeit; wer Andrang in den Häfen meiden will, weicht auf den Rand der Saison aus.
Für die Planung an Bord sollte man sich nicht allein auf das Jahresmittel verlassen. Offizielle Seewettervorhersagen und Beaufort-Stationsmeldungen für die Ostsee – inklusive Bornholmsee und Arkonasee – stellt der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereit; ergänzend liefert das dänische DMI Vorhersagen speziell für die Bornholm-Region. Gerade vor dem Anlaufen der Ostküsten-Felsenhäfen lohnt der Blick auf Windrichtung und Stärke. Eine allgemeine Einordnung zum Inselklima gibt der Guide Wetter auf Bornholm.
Christiansø – der Naturhafen der Erbseninseln
Rund 10 Seemeilen nordöstlich der Bornholmer Nordostküste (Gudhjem) liegen die Erbseninseln Christiansø und Frederiksø, Dänemarks östlichster Punkt. Ihr Naturhafen zwischen den beiden Inseln hat zwei Einfahrten – je eine auf jeder Seite der Drehbrücke – und lässt sich dadurch bei jeder Windrichtung anlaufen. Eine gesperrte Einfahrt wird durch drei hängende Laternen oder einen schwarzen Ball signalisiert. Jährlich liegen hier rund 2.000 Yachten an.
Für Boote unter 20 t ist keine Reservierung nötig; Boote über 20 t müssen vorab reservieren. Das Hafenticket löst man am Automaten an der Nordwand des Hafenmeisterbüros (Hafenmeister Tel. +45 4045 2014, Bürozeit 16–17 Uhr). Ein paar Regeln gilt es zu beachten: Frischwasser gibt es nur aus den öffentlichen Wasserhähnen, das Befüllen von Tanks ist untersagt, im Hafen sind maximal 3 Knoten erlaubt und Baden ist verboten. Die Inseln waren historisch über Regenwasser-Brunnen mit Trinkwasser selbstversorgt. Zur Ausstattung gehören Toiletten, Badestellen, Grills, Gas, Strom, ein Spielplatz und Einkaufsmöglichkeiten.
An Land lohnt das Museum in den beiden Türmen Store Tårn und Lille Tårn (Eintritt Erwachsene 40 DKK, Kinder von 6 bis 15 Jahren 20 DKK). Die Öffnungszeiten sind saisonal gestaffelt – im Hochsommer (18.6.–18.8.) täglich 8–19 Uhr, in den Randzeiten kürzer. Auf Frederiksø liegt zusätzlich das Gefängnismuseum „Ballonen” mit ganzjährig freiem Eintritt und einer kleinen Ausstellung zum politischen Häftling Dr. Dampe, dessen Zelle als Nachbau zu sehen ist. Mehr zur Insel selbst im Beitrag Christiansø.
Ohne eigenes Boot nach Christiansø
Wer keinen eigenen Kiel hat, erreicht die Erbseninseln mit dem Ausflugsschiff der Christiansøfarten – und zwar ausschließlich ab Gudhjem. Die frühere Schnellfähr-Route über Allinge wurde eingestellt; in der Hochsaison verkehren stattdessen Gratisbusse von Allinge nach Gudhjem. Christiansø selbst ist autofrei und steht unter Natur- und Denkmalschutz.
Der Fahrplan 2026 staffelt sich nach Saison:
- Hochsaison (27.6.–23.8.) – drei Abfahrten ab Gudhjem um 10:00, 12:30 und 15:00 Uhr; zurück ab Christiansø 14:00, 16:30 und 19:30 Uhr. Dienstag bis Donnerstag im Hochsommer (7.7.–6.8.) zusätzliche Abendfahrt ab 15:00 Uhr.
- Nebensaison (20.4.–18.5. und 18.9.–18.10.) – eine Abfahrt 10:00 Uhr, zurück 14:00 Uhr.
- Vorsaison (30.3.–19.4.) – Abfahrt 10:00 Uhr, zurück 13:30 Uhr.
Die Hin- und Rückfahrt kostet je nach Saison unterschiedlich: im Winter (1.1.–19.4. und 19.10.–31.12.) 220 DKK für Erwachsene und 120 DKK für Kinder, im Sommer (20.4.–26.6. und 10.8.–18.10.) 260 DKK bzw. 145 DKK und in der Hochsaison (27.6.–9.8.) 320 DKK bzw. 180 DKK. Kinder von 0 bis 5 Jahren fahren ganzjährig gratis. Tickets fürs Inselmuseum gibt es unter anderem am Fährterminal Gudhjem, an Bord der Fähren, im Inselkiosk und in der Touristinfo. Eine Übersicht aller Verbindungen rund um die Insel bietet der Guide Fähre nach Bornholm.