Forum: Bornholm Reiseberichte
Thema: Die Schönheit des letzten Urlaubstages

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michaelm
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Die Schönheit des letzten Urlaubstages

Beitragvon michaelm » 25.08.2019, 16:48

Ihr kennt alle das wehmütige Gefühl, das einen am vorletzten oder letzten Urlaubstag beschleicht, dann wenn man nach den langen, sonnen-durchwärmten Tagen unwiderruflich die Insel verlassen muss. Dann, wenn man unausgeschlafen seine letzten Sachen einräumt und sich in die Warteschlange zur Fähre einordnet.

Wahrscheinlich dadurch steht mir dieser Tag auch nach zwei Wochen genau vor Augen.
Um kurz vor 9:00 rollen wir gemütlich "vom Acker", dem schönen Dreiseit-Hof, der uns in den vergangenen drei Wochen als Ferienhaus gedient hat. Vorbei an den Wiesen, dem Vævestalden, dem Hinweisschild zum Kadeau, der Pedersker Mølle, das letzte Mal zum Dagli Brugsen in Pedersker.
Das Blinklicht vor der Schule ist schon in Betrieb, nächste Woche gehts dort wieder los, Tempolimit 40 km/h. In der ersten Woche kontrolliert die Polizei, 39 Fahrsünder werden ertappt, der Tagesschnellste wird mit seinem Rekord von 89 km/h auf der Stelle seinen Führerschein los.

Im Brugsen liefern wir die letzten Pfandflaschen ab, schauen ein letztes Mal den 5 kleinen Schwalben im Nest am Anbau zu, "unsere" Schwälbchen am Ferienhaus waren in der Vorwoche schon flügge geworden. Der letzte Bummel durch den morgendlich stillen Brugsen, was könnte man als Erinnerungsstück noch mitnehmen, Økologisk Sødmælk, Rhabarbermost und ein paar Buddels Sømarken Guld gehen immer, 12 x Butter hatten wir schon am Vortag geholt und eingefroren.

Vom Brugsen geht es zurück zur Küste, zuerst nach Sommerodde, den Kite Surfern zusehen, es sind echte Könner dabei, faszinierend. Danach zum wunderschönen Waldparkplatz in Østre Sømarken, der einzige, der neben uns dort parkt, ist der Bauer, der seinen Schafen und Ziegen Wasser bringt. Während meine Frau und Tochter mitten in der Heide ein 2. Frühstück mit Sonnenbad nehmen (am Strand wars zu windig), habe ich die Klappliege aus dem Auto geholt und "bekieke mir von innen", wie der Berliner sagt.

So gestärkt geht es ab 11:00 Richtung Rønne, als Erstes (ca. halber Weg) endlich mal wieder zu Lilli´s. Nach der leicht kriminellen Auffahrt genießt man den leicht atemberaubenden Weg über die Ostsee von ihrem Hof und denkt immer wieder, ob man nicht doch mal eine ihrer Ferienwohnungen mietet?
Wie meistens bedient Lilli´s Schwester, das Geburtstagsgeschenk für meine Frau wird super-sorgfältig verpackt, Glasschmuck für mein Büro und die Whg meiner Tochter kommen dazu.

Nach diesen "Anstrengungen" führt unser Weg zur Røgeriet Arnager, die leicht versteckt hinter dem Flughafen liegt, das letzte Bornholmer Mittagsmahl wird andächtig genossen. Außer uns nur ein deutsches Auto, diese Røgeriet ist und bleibt meistens fest in Dänischer Hand.
Anschließend zum teils schattigen Parkplatz Arnager Klippen, die Damen baden ein letztes Mal, ich halte im Auto ein Schläfchen, so wie meine Krankheit das seit einem Jahr fordert.

Danach ist der Bäcker am Kreisverkehr in Rønne das Ziel, am Sonntag Touristen freundlich bis 16:00 geöffnet bietet er die Gelegenheit die letzten "Spandauer"; "Hindbær Tart" und "Napoléon Snitter" zu bunkern, Bornholmslinjens Snacks sind nicht so der Hit.
Die Fährgesellschaft hat mittlerweile eine halbe Stunde Verspätung, Zeit für den letzten Gang zu Kjærstrup, der in Rønne mittlerweile auch am Sonntag auf hat. Ganz so zugeklappt wie vor 19 Jahren (unserem ersten Inselurlaub) ist Bornholms Hauptstadt nun doch nicht mehr.
Könnt Ihr Euch vorstellen, mit welcher Andacht das letzte Softice med topping genossen wird. Am besten med topping flydende chokolade - gut zum Dänisch sprechen für Fortgeschrittene.

Am Kai liegt die Hammershus, die Express 1 kommt erst, als wir warten, aber dieses rumhängen auf dem Parkplatz, gucken, wer noch so die Insel verlässt, außer uns nur Dänen und Schweden, dieses Warten, es gehört doch längst zum Ritual...
Spannend, schafft die Express, statt wie geplant um 16:30, trotz fast 30 min Verspätung, vor der Hammershus loszufahren? Deren Abfahrt ist nämlich auf Punkt 17:00 festsetzt, braucht die Express1 nun zu lange, muss sie auch noch auf die Køge Fähre warten. Wir sind gespannt, aber es ist rein sportliches Interesse, unsere Fähre nach Travemünde fährt erst abends um 22:00 - die kann man gar nicht verpassen.
Aber um 16:55 schäumt es neben und hinter dem Katamaran, es geht vor der Hammershus los.
Von unserem Sitzplatz können wir gut zurück gucken, langsam gleiten die Molen, die Neubauten der Kais vorbei. Ein langer, langer Blick auf die Nikolaikirche, das Wahrzeichen aller Bornholm Fahrer und ein tiefer Seufzer. Nicht lange danach gerät schon die schwedische Küste in den Blick.
Drehen der Fähre im Hafen, gibt ja nur die Heckklappe, leicht chaotische Ausfahrt, zu wenig Personal, die letzten Meter Bornholm unter den Reifen, nach nur 1:10 Std Überfahrt - es ist vorbei.

Nun haben wir noch die schöne Stunde Fahrt an der schwedischen Südküste vor uns, immer auf Wallanders Spuren, Svarte, Marsvinsholm, Smygehuk, Mossby Strand; schließlich die Palmen von Trelleborg, die Nils Holgersson, Captains Dinner und die Panorama Suite - aber das ist eine andere Geschichte.

Und weil das so schön ist, und weil das ein ganzer Tag Bornholm als Zugabe ist und weil das nur mit einer so späten Fährabfahrt (16:30, aber 18:30 ginge auch noch) geht, ist das auch ein wesentlicher Grund für uns über Ystad zu reisen. Wonach ich oft gefragt werde, und nun hinreichend erklärt ?

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Leopold
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Re: Die Schönheit des letzten Urlaubstages

Beitragvon Leopold » 26.08.2019, 22:20

Hi, irgendwie hab ich gerade nen Kloß im Hals!
Immer wieder schrecklich wenn es zu Ende ist.
Auch wenn man zweimal im Jahr dort ist wird es nicht besser.
Was habe ich schon gefroren oder war total nass nur weil man bis das Letzte am Horizont verschwindet draussen stehen geblieben ist.

Viele Grüße eines Leidensgenossen, Leopold

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