Bornholm.de Redakteur Hans Klüche traf Pernille Boelskov, Autorin des Bornholm Krimis ›Das Granitgrab‹

 

»Da drüben muss es gewesen sein,« Pernille Boelskov zeigt Bornholm.de Redakteur Hans Klueche, wo im Vangbruddet die erste Leiche in ihrem Debut Krimi "Das Granitgrab" abgelegt wurde.

»Da drüben muss es gewesen sein,« Pernille Boelskov zeigt Hans Klueche, wo im Vangbruddet die Leiche in ihrem Debutkrimi „Das Granitgrab“ abgelegt wurde.

Der Ort des Treffen bei Vang, etwa auf halber Strecke zwischen Hasle und Bornholms Nordspitze, ist rau, kantig und an diesem Sommertag staubig. Der Wind versäumt es, eine erfrischende Briese den schmalen Gang vom Meer hinauf zu blasen. Hitze staut sich zwischen den Felswänden des alten Vangbrudet, aus dem noch bis weit in die 1970er Jahre tausende Tonnen

Künstlicher Badestrand Vang

Aus einer alten Granit-Verladeanlage wurde eine künstliche Badewelt.

Granit geholt wurden. Davor ragte damals eine Verladeanlage ins Meer hinaus. Einzigartig in Dänemark. Sprengdonner und rumpelndes Gestein sind Vergangenheit und das Fundament der alten Verladeanlage ist längst zu einem Freizeitareal mit Strand und Badelagune umgebaut. Tourismus schafft jetzt Arbeitsplätze, nicht mehr Maloche im Steinbruch.

Leichenfund am Lieblingsplatz

Der Vangbrud ist Teil des Naturschutzgebietes Ringebakkerne. Kletterer haben inzwischen die steilen Wände entdeckt, die bei ihnen jetzt Las Vegas Væggen, den Rode Væg oder den Lave Væg heißen und durchzogen sind von Kletterrouten mit verrückten Namen. In diesem gewaltigen Felsloch hat man die Leiche des Daniil Khristov gefunden. Der junge Russe ist nicht abgestürzt, er wurde abgelegt, vorher ermordet. Ok, das war nicht real. Es war ein

Vangbrudet

Bis 1975 wurde hier Granit in großem Stil gebrochen, jetzt ist es ein Freizeitgebiet

literarischer Mord. Pernille Boelskov hat ihn begangen, besser, sie hat ihn sich ausgedacht. Jetzt steht sie mir gegenüber in diesem staubigen Steinbruch. Ihr grünes Kleid passt sich dem wenigen natürlichen Grün an, das hier wächst. »Da drüben muss es gewesen sein. Da etwa hat er gelegen!« Pernille zeigt in einen Winkel in der südlichen Ecke des Steinbruchs. Als sie ›Das Granitgrab‹, ihren ersten Roman, in Angriff nahm, war klar: »Dieser Ort sollte ein Schauplatz sein, das wusste ich von Anfang an.« Oft geht sie in den Ringebakker spazieren, sind sie doch nur einen Katzensprung von Hasle entfernt, wo sie heute lebt. Von ihren Spaziergängen kennt sie auch ein älteres Ehepaar, das hier oft mit einem Hund unterwegs ist, so wie das Paar, das in ihrem Roman Daniil Khristov findet.

Praktikum mit Folgen

Die Autorin mag diesen Platz, ein Lieblingsplatz für sie auf der Insel, die jetzt ihre Heimat ist. Ihre Ausbildung zur Journalistin hatte die junge Frau, die ursprünglich aus Fünen stammt, als Praktikantin zu Bornholms Radio auf die Insel verschlagen, in der Branche eher Provinz- als Leitmedium. »Das hat aber mein Leben verändert. Ich habe mich in Bornholm verliebt und in einen Bornholmer. Und der ist jetzt mein Mann.« Und ungewöhnlich für eine junge Dänin: »Als ich hier das Praktikum machte, habe ich wirklich das erste Mal Bornholm gesehen. Das war also in jeder Hinsicht Liebe auf den ersten Blick!« Pernille kam in ihrer Schulzeit nie auf der Insel, eigentlich eine Pflicht-Klassenfahrt in jedem dänischen Schülerleben.

Mehr zum Granitgrab und zur Bornholmer Literatur
Hier gibt’s die Rezension zu ›Das Granitgrab‹ von Pernille Boelskov.
Hier finden sie mehr zum historischen Hintergrund, warum der junge Russe Daniil Khistov seinen Großvater auf Bornholm zu finden hofft.
Hier lesen sie eine Passage aus ›Das Granitgrab‹ zur Probe.
Hier finden sie Bornholm literarisch, den Einstieg in unsere Literaturseiten

Die Story sollte nur auf Bornholm spielen können

»Als ich das Buch konzipiert habe, war mir klar, dass es eine Geschichte sein soll, die so nur auf Bornholm spielen kann und der Granit macht Bornholm in Dänemark einzigartig,“ erzählt Pernille. Auch ihr zweites Buch, dass auf Dänisch Anfang 2017 erscheint, wird wieder einen deutlichen Bezug zu Bornholm haben: ›Bornholmerdybet‹ soll es heißen, nach dem für die Fischerei so wichtigen Bornholmer Becken östlich der Insel. »Das Meer ist so wichtig für uns hier auf der Insel, das kann sich ein Außenstehender nicht wirklich vorstellen. Aber wenn im Herbst oder Winter ein heftiger Sturm tobt, bei dem die Fähren nicht regelmäßig fahren, wenn plötzlich keine Post mehr kommt und wenn nach kurzer Zeit Lücken in den Supermarkt Regalen auftauchen, dann weißt Du, wie sehr das Meer unseren Rhythmus bestimmt.“

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Treffen am Tatort

Bei ihrem Erstling ›Das Granitgrab‹ ist auch die Geschichte hinter der Geschichte ganz speziell und nur auf Bornholm denkbar. Nirgendwo sonst in Dänemarks mussten Menschen erleben, was hier ihren Landsleuten widerfuhr: 11 lange Monate nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Bornholm von Russen besetzt und von der Roten Armee kontrolliert. »Ich wusste davon vorher nichts und glaube auch, nicht mehr viele Menschen hier in Dänemark kennen diese besondere Bornholmer Geschichte. Aber man sollte sie kennen, wenn man die Insel und die Bornholmer wirklich verstehen will. Es ist für sie bis heute ein Trauma. Darum wollte ich das Thema aufgreifen – das war mir sehr, sehr wichtig,« begründet Pernille, den historischen Hintergrund ihres Debütromans, für den sie nach eigenen Angaben am aufwendigsten recherchiert hat, damit alles hieb und stichfest ist.

Deutsche Urlauber gibt es jeden Sommer, also auch im Krimi

„Das Granitgrab” – der erste Bornholm Krimi von Pernille Boelskov

„Das Granitgrab” passt gut in Bornholms felsigen Norden…

Dass man mit den Schauplätzen in ihrem Buch Bornholm erkunden kann, sieht Pernille eher als Nebensache. Entsprechend verneint sie lachend aber vehement meine Frage, ob sie irgendwann einmal Dueodde zum Schauplatz machen wird, um deutschen Lesern entgegen zu kommen, die dort an den Stränden gern Urlaub machen. Dass andererseits deutsche Touristen in Nebenrollen auftauchen, ist für Pernille völlig logisch. »Die gibt es im Sommer immer hier auf der Insel, es wäre also unnatürlich, würde ich sie zum Beispiel als Kirchenbesucher nicht auftreten lassen.« Und eine Kirche spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle:

„Das Granitgrab”

… aber auch an den Stand von Dueodde.

Agnethe Bohn, Pernilles Hauptfigur und Ermittlerin aus persönlichen Motiven, ist Pastorin, Anfängerin in ihrem Job und längst nicht immer im Gleichschritt mit ihren konservativeren Kollegen und Vorgesetzten. »Ich wollte vor allem eine Person, die einen anderen Zugang zum Tod hat, als ein Kommissar oder ein klassischer Detektiv. Und eine Pastorin ist durch ihren Beruf mit Tod und Toten konfrontiert, aber auf eine andere, tiefer gehende Art, nicht nur auf Fakten fokussiert.« In diesem Roman ist Agnethe auf jeden Fall die Hauptfigur, die die Ermittlungen voran bringt, und ihr Cousin Lars, der Polizist, eher Nebenfigur. Dies muss aber nicht zwingend so verteilt sein in all den Bornholm Krimis, die Pernille noch mit dem Duo als Ermittler schreiben möchte.

Dürfen Agnethe und Lars auf Kurt Wallander treffen?

Vang Pier

Gleich hinterm Horizont liegt Ystad

Pernille ist sich bewusst, dass der Kontrast zwischen Inselidylle und Mord ein spezielles Spannungsverhältnis aufbaut und das Verbrechen besonders hervorhebt. Als wir langsam den Steinbruch verlassen und wieder den freien Blick über das Meer bekommen, an dessen Horizont man die schwedischen Küste ahnt, drängt sich die Frage auf, ob sie sich von dem Mann inspiriert fühlt, der da am anderen Ufer in ähnlicher Kleinstadtidylle lebt und ermittelt, Kurt Wallander, und ob sie ihre Ermittler vielleicht einmal mit der Fähre nach Ystad schicken will, wenn es zu einen Fall passt. Da lacht Pernille, »das wäre wirklich interessant, Agnethe und Lars einmal hinüber zu schicken und auf Wallander treffen zu lassen. Und wenn sie dann auch noch zusammenarbeiten, das wäre super. Aber ich weiß nicht, ob das rechtlich möglich ist.« Ob es die Luft, das Licht, die Atmosphäre der Region ist, dass hier so nah beieinander so gute Krimis entstehen, will ich noch wissen. Diesmal lacht Pernille nur verschmitzt, auf die Antwort warte ich immer noch.

Pernille Boelskov

Krimiautorin Pernille Boelskov

© Hans Klüche 2016

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