Segeln auf Bornholm

Die dänische Ostseeinsel Bornholm ist ein herausragendes Segelrevier, das mit seiner zentralen Lage, abwechslungsreichen Küstenlandschaft und zahlreichen malerischen Häfen Segler aus ganz Nordeuropa begeistert. Ob als Törnziel oder Etappe auf dem Weg ins Baltikum – Bornholm verbindet nordische Gelassenheit mit seglerischem Abenteuer.

Segeln auf Bornholm

Das Revier im Überblick

Bornholm liegt mitten in der südlichen Ostsee, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Rügen und nur 40 Kilometer vor der schwedischen Südküste. Die Insel erstreckt sich über rund 40 Kilometer in nordwest-südöstlicher Richtung und bildet mit der Ostsee eine 158 Kilometer lange Küste. Die landschaftliche Vielfalt zeigt sich besonders vom Wasser aus: Der wettergezeichnete Westen wirkt wild und herb, während die Ostküste einen lieblicheren Charakter hat. Im Norden ragen schroffe Granitklippen bis zu 22 Meter aus dem Meer, im Süden locken die feinen Sandstrände von Dueodde.

Für Segler bietet diese Vielfalt ideale Voraussetzungen. Die Entfernungen zwischen den Häfen sind überschaubar und ermöglichen entspannte Tagesetappen entlang der Küste. Von Rügen aus - etwa ab Sassnitz oder Lauterbach - sind es circa 50 Seemeilen bis zum Hauptort Rønne, eine gut planbare Tagesetappe. Auch von Schweden, Polen oder der dänischen Südsee ist Bornholm in einer Tagesfahrt erreichbar.

Die Häfen Bornholms

Rund um die Insel stehen Seglern etwa 21 Häfen zur Verfügung, von denen etwa zehn für Yachtsegler besonders attraktiv sind. Die Hafenlandschaft ist dabei so vielfältig wie die Insel selbst.

Rønne ist der größte Hafen und Fährhafen der Insel. Der Yachthafen Rønne Lystbådehavn in der Bucht Nørrekås bietet Platz für rund 100 Gästeboote und ist bestens ausgestattet mit Sanitäranlagen, Waschmaschinen und einem Kiosk. Ein großer Supermarkt liegt direkt gegenüber, das Stadtzentrum mit Lokalen und Museen ist nur wenige hundert Meter entfernt.

Der typische Bornholmer Hafen jedoch ist ein Felsenhafen, eingebettet in ein gemütliches Städtchen mit den charakteristischen weißen Schornsteinen der Räuchereien. Gudhjem an der Nordküste gilt als heimliche Hauptstadt der Insel und bezaubert mit seinen steilen Gassen, roten Ziegeldächern und dem malerischen Hafen. Von hier starten in der Sommersaison die Ausflugsschiffe nach Christiansø.

Svaneke an der Ostküste wurde 1975 mit der Europäischen Goldmedaille für Stadterhaltung ausgezeichnet und gilt als besterhaltene Stadt der Insel. Der kleine Hafen ist im Sommer sehr beliebt und entsprechend voll - wer außerhalb der Hochsaison kommt, hat freie Platzwahl.

Allinge an der Nordwestküste liegt günstig für die Umrundung des Hammerknuden und begeistert mit einer entspannten Atmosphäre und gemütlichen Cafés. Auch Hammerhavn, Tejn und Hasle bieten gute Liegemöglichkeiten. Hasle und Nexø sind besonders für nächtliche Ansteuerungen geeignet, während die kleineren Felsenhäfen wie Svaneke oder Gudhjem etwas Erfahrung erfordern.

In den kleinen Häfen kann es im Sommer eng werden - Päckchen liegen ist üblich und gehört zum Charme des Reviers. Trotz der Beliebtheit herrscht keine Hektik: Wer Gelassenheit mitbringt, kann den besonderen Charakter dieser Häfen vollends genießen.

Die Erbseninseln - ein unvergesslicher Abstecher

Etwa zehn Seemeilen nordöstlich von Bornholm liegt die Inselgruppe Ertholmene, von deutschen Seglern meist Erbseninseln genannt. Die Hauptinsel Christiansø und ihre Nachbarin Frederiksø bilden Dänemarks östlichsten Punkt und sind ein absolutes Muss für jeden Bornholm-Segler.

Der natürliche Hafen zwischen den beiden Inseln bot bereits der königlich dänischen Marine Schutz und bietet heute Yachten einen außergewöhnlichen Liegeplatz inmitten historischer Festungsanlagen. Die Inseln stehen unter Natur- und Denkmalschutz, sind autofrei und wirken wie aus der Zeit gefallen. Eine Fußgängerbrücke verbindet die beiden bewohnten Inseln, auf denen heute etwa 100 Menschen leben.

Auf Christiansø gibt es einen Rundweg, ein kleines Museum im Pulverturm auf Frederiksø, einen Gasthof und typische Produkte wie den marinierten Christiansø-Kräuterhering. Tagsüber bringen Ausflugsschiffe Touristen von Bornholm herüber, aber am Abend kehrt Ruhe ein - dann gehören die Inseln den Seglern und den zahlreichen Seevögeln, darunter Papageientaucher und die in Dänemark nur hier brütenden Trottellummen.

Der Hafen hat zwei Einfahrten und kann bei den meisten Windrichtungen angelaufen werden. Bei starkem Südwind oder voller Belegung wird die Einfahrt geschlossen - erkennbar an drei übereinander hängenden Laternen oder einer schwarzen Kugel am Flaggenmast.

Klima und beste Segelzeit

Bornholm trägt den Beinamen "Sonneninsel" zu Recht: Mit rund 1.580 Sonnenstunden pro Jahr scheint hier die Sonne öfter als auf dem dänischen Festland. Im Sommer sind acht bis neun Sonnenstunden pro Tag keine Seltenheit, und Svaneke an der Ostküste gilt sogar als sonnigster Ort Dänemarks.

Das maritime Klima sorgt für moderate Temperaturen ohne Extreme. Im Juli und August erreichen die Tageshöchstwerte etwa 20 Grad Celsius, das Wasser erwärmt sich auf 20 bis 22 Grad. Der Frühling kommt zwar etwa zwei bis drei Wochen später als im übrigen Dänemark, dafür hält der Sommer länger an - die aufgewärmten Felsen, der Sand und das Wasser speichern die Wärme bis weit in den September.

Die Hauptsaison liegt in den Monaten Juli und August. Dann sind die Häfen gut besucht und die Insel ist lebendig. Wer es ruhiger mag, findet im Juni oder September ideale Bedingungen: angenehmes Wetter, weniger Andrang in den Häfen und freie Platzwahl. Im Mai können mutige Segler bereits die erwachende Natur genießen, sollten aber noch mit kühleren Temperaturen rechnen.

Die Windverhältnisse sind ganzjährig moderat, mit durchschnittlichen Windstärken um 3 Beaufort. Im Herbst und Winter kann es stürmischer werden, was besonders an der rauen Nordküste eindrucksvolle Naturschauspiele bietet.

Praktische Tipps für den Törn

Wer von Deutschland aus startet, findet auf Rügen die optimalen Ausgangspunkte. Die Marinas in Sassnitz oder Lauterbach bieten gute Infrastruktur und ermöglichen einen direkten Schlag nach Bornholm. Alternativ bieten sich Greifswald oder Peenemünde an, was Flexibilität für Zwischenstopps eröffnet.

Für die Erkundung der Insel an Land empfiehlt sich das Fahrrad - entweder mitgebracht oder vor Ort gemietet. Bornholm verfügt über ein ausgezeichnetes Radwegenetz auf ehemaligen Bahntrassen. Alternativ verbinden die Buslinien (BAT) die wichtigsten Orte zuverlässig.

In Rønne gibt es eine gut ausgestattete Werft und Bootszubehör für kleinere Reparaturen. Die Gastlandflagge Dänemark und dänische Seekarten sollten am besten vor dem Törn besorgt werden, da sie im Hochsommer auf der Insel oft vergriffen sind.

Die Liegegebühren in den städtischen Häfen werden von der Bornholmer Kommunalverwaltung festgelegt. In einigen Häfen, darunter Christiansø, erfolgt die Bezahlung online per Kreditkarte. Auf den Erbseninseln kann der Mobilfunkempfang eingeschränkt sein, da der Sendemast auf Bornholm steht.