In der Krystalgade in Rønne riecht es nach Ton und Brennofen: Hjorths Fabrik ist kein nachgebautes Museumsdorf, sondern eine echte Keramikfabrik von 1859, in der bis heute gearbeitet wird. Lauritz Adolph Hjorth gründete sie als Terrakottafabrik, vier Generationen der Familie führten sie weiter – zuletzt die Schwestern Ulla und Marie Hjorth, bis die Produktion 1993 endete. Seit 1995 betreibt das Bornholms Museum das Haus als lebendes Keramikmuseum.
Museum und Werkstatt zugleich
Das Konzept ist einfach und stark: Im Museumsteil führen die originalen Fabrikräume mit historischen Brennöfen durch 130 Jahre Keramikgeschichte, dazu kommt die bornholmische Keramiksammlung zurück bis ins 18. Jahrhundert und Kunstkeramik aus vier Hjorth-Generationen. Nebenan arbeiten Keramiker an Drehscheibe und Öfen – Besucher schauen ihnen über die Schulter, in der Hochsaison gibt es täglich Vorführungen. Wer selbst Hand anlegen will, bucht einen Ton-Workshop; auch für Kinder.
Bornholms Keramik-Erbe
Hjorths Fabrik ist der greifbarste Ort, um zu verstehen, warum Bornholm als World Craft Region gilt: Die Insel hat eine ununterbrochene Keramik-Tradition, und was hier gedreht und gebrannt wird, landet direkt im Werkstattladen – vom klassischen braunen Steinzeug bis zu aktuellen Serien. Der Laden ist ohne Eintritt zugänglich. Einen Überblick über Töpfereien, Glasbläsereien und Werkstätten der ganzen Insel gibt der Bereich Kunsthandwerk, zur Glasszene der Guide Glaskunst.
Anreise und Praktisches
- Krystalgade 5, mitten in der Rønner Altstadt – vom Fährhafen rund 10 Minuten zu Fuß, Parken auf den Innenstadt-Parkplätzen.
- Die Werkstatt schließt um 16 Uhr, eine Stunde vor Laden und Ausstellung. Wer die Töpfer sehen will, kommt nicht zu spät.
- Sonntags ist ganzjährig geschlossen – anders als bei vielen Bornholm-Attraktionen.
Lohnt sich der Besuch?
Für alle, die sich für Handwerk interessieren, gehört Hjorths Fabrik zu den lohnendsten Stunden in Rønne – gerade in Kombination mit dem Bornholms Museum fünf Gehminuten weiter: Im Winter deckt eine gemeinsame Karte beide Häuser ab, im Sommer lohnt das Fællesbillet.