Warum Bornholm als Meerforellen-Revier gilt
Bornholm ist vor allem für eines bekannt – die Meerforelle. Die Insel hat einen wilden, selbstreproduzierenden Bestand, der genetisch eigenständig ist und sich allein über die Bäche der Insel erhält. Auf Bornholm gibt es 27 meerforellenproduzierende Wasserläufe, in denen die Fische ablaichen. Bemerkenswert ist die bewusste Entscheidung dagegen, den Bestand mit schneller wachsenden Zuchtforellen aufzustocken – Biologen und Sportfischer haben entsprechende Vorschläge abgelehnt, um den ursprünglichen Inselstamm zu erhalten. Wer hier angelt, fischt also auf einen echten Wildbestand, kein Besatzprogramm.
Die Küste bietet die ganze Bandbreite an Angelplätzen – schroffe Granitfelsen im Norden rund um Hammerknuden, zerklüftete Steinküsten mit kleinen Buchten an der Nordost- und Ostküste sowie helle Sandstrände mit vorgelagerten Riffen im Süden bei Dueodde. Insgesamt zieht sich die Küstenlinie über rund 150 Kilometer, und 27 Häfen verteilen sich über die Insel, sodass der Zugang zu den Plätzen praktisch überall gegeben ist.
Die beste Angelzeit für Meerforelle
Die starke Saison läuft von Mitte November bis etwa Sankt Hans, also bis Mitte/Ende Juni. Gerade der Winter gilt als Top-Zeit – dann werden viele große Fische gefangen, regelmäßig auch Exemplare über 60, 70 und 80 Zentimeter. Wer große Meerforellen will und Kälte nicht scheut, kommt also außerhalb der klassischen Urlaubssaison.
Der Sommer ist deutlich schwieriger. In Juni, Juli und August steht das Wasser warm, die Fische fressen wenig, und die Fangzahlen sinken spürbar. Unmöglich ist Sommerfischen nicht, aber es ist anspruchsvoll und für Einsteiger eher mäßig ertragreich. Die besten Chancen bieten der frühe Morgen und die Dämmerung am Abend – als besonders effektiv gilt die „magische Stunde” zwischen 21:30 und 22:30 Uhr.
Gefischt wird an der Küste vor allem mit der Spinn- oder Fliegenrute. Ein leichter auflandiger Wind gilt als günstig, weil er Nahrung aufwühlt und die Forellen in Ufernähe bringt. Für die oft felsige, glitschige Küste ist ein Watstock zur Sicherung des Stands sinnvoll.
Lachs-Trolling und der April-Treff
Bornholm liegt mitten in einem der besten Lachsreviere der Ostsee, und das Schleppangeln vom Boot – das Trolling – hat hier lange Tradition. Der bekannte „Trolling Master Bornholm”, den TV2/Bornholm seit 2005 veranstaltet hatte, wurde allerdings 2024 pausiert und im September 2024 dauerhaft eingestellt – ein Wettbewerb wurde durch die neuen Lachs-Beschränkungen unrealistisch. Diesen Klassiker gibt es also nicht mehr.
An seine Stelle ist das „Trolling Træf Bornholm” getreten, organisiert aus dem Melsted-Umfeld (Eastside Marine Company). Es findet in der Osterwoche im April über acht Tage statt – 2025 startete es am Samstag, 12. April, um 06:00 Uhr. 2026 ließ das Wetter nur an 4,5 der 8 Tage ein Fischen zu, dennoch wurden doppelt so viele Lachse gefangen wie im Vorjahr. Die Siegerfische lagen bei rund 10 Kilogramm – Team Augusta vorn mit 10,34 kg, gefolgt von Team Henriksen (10,08 kg) und Grandy White (9,54 kg). Das sind etwa 21 bis 23 Pfund, also realistische Spitzengewichte und keine 30-Pfünder.
Anlaufstelle für das Schleppangeln ist das Melsted Trolling Center (Melstedvej 39, 3760 Gudhjem, Tel. +45 5648 5211). Es hat über 25 Jahre Erfahrung, organisiert das jährliche Træf (Startgeld 400 DKK pro Boot inkl. max. 2 Personen, 200 DKK je weitere Person) und bietet geführte Touren sowie voll ausgestattete Trollingboote. Wer lieber selbst chartert – etwa über Fiskers Bådudlejning – sollte mit einem Tagesfenster von 7 bis 18 Uhr rechnen; dort werden mindestens 2 Tage zu 6.000 DKK und eine ganze Woche zu 18.000 DKK aufgerufen, Kaution 3.500 DKK. Wer ohne Angelambitionen aufs Wasser will, findet im Ratgeber zum Segeln die nötigen Hafen-Infos.
Fangregeln 2026 – das hat sich geändert
Bei den entnehmbaren Fischen hat sich gegenüber älteren Beschreibungen einiges verschoben. Wichtig vor der Anreise:
- Lachs: In der Ostsee darf 2025 wie 2026 jeder Angler maximal einen Lachs pro Tag entnehmen – und nur einen mit eingeschnittener (entfernter) Fettflosse, also einen besatzmarkierten Fisch. Wildlachse mit intakter Fettflosse müssen unversehrt zurückgesetzt werden. Die EU-Kommission wollte das Lachs-Freizeitangeln 2026 ganz schließen; die Fischereiminister einigten sich am 28. Oktober 2025 stattdessen auf eine Verlängerung der 2025-Regel.
- Dorsch: Das Fangverbot in der westlichen und zentralen Ostsee bleibt 2026 in Kraft. Dorsch darf vom Freizeitangler nicht entnommen werden – anders, als ältere Texte es noch darstellen.
- Meerforelle: Fangbegrenzung von 3 Stück pro Angler und Tag, Mindestmaß 40 cm. Die Schonzeit für gefärbte Forellen im Laichkleid läuft vom 16. September bis Ende Februar (28./29.2.); in dieser Zeit dürfen nur blanke Fische entnommen werden.
Dazu kommt der Mündungsschutz – an sechs Flussmündungen gilt ganzjähriges Fangverbot in einem 500-Meter-Gürtel – Øleå, Læså, Blykobbe Å, Baggeå, Kobbeå und Gyldenså. An weiteren 22 Gewässern besteht ein halbjährlicher Schutz (16.9.–15.1.). Diese Zonen sollte man kennen, bevor man eine Bachmündung ansteuert.
Angelschein – Pflicht, Kosten und Befreiung
Für das Angeln in Dänemark ist der staatliche fisketegn Pflicht. Die Preise für 2026 – Tageskarte 46 DKK, Wochenkarte 150 DKK, Jahreskarte 214 DKK. Eine Fischerprüfung ist nicht nötig.
Befreit sind Personen unter 18 und ab 65 Jahren – sie angeln scheinfrei. Internationale Gäste ohne dänische Adresse kaufen den Schein bequem online über fisketegn.dk; im Formular lässt sich als Land „Other country” auswählen. Den Beleg sollte man bei einer Kontrolle vorzeigen können.
Stille Alternative – die Waldseen
Wer das Meer scheut oder einen ruhigen Familientag sucht, fischt in den Seen der Insel – frei zugänglich allein mit dem staatlichen Angelschein, ohne zusätzliche Vereinslizenz. Dazu zählen unter anderem Rubinsøen, Smaragdsøen, Safirsøen, Kaolinsøen, Snorrebakkesøen, die Kanegårdssøerne, Åsedam und Ferskesø. Typischer Bestand sind Hecht, Barsch, Aal, Karpfen und Rotauge. Für Angler unter 18 und über 65 Jahren ist das Seenangeln kostenlos.
Zwei Adressen stechen heraus, beide in der Hasle Lystskov – der Rubinsøen hat einen guten Hecht- und Barschbestand, regelmäßig werden Hechte von 5 bis 6 Kilogramm gefangen. Der benachbarte Safirsøen führt zusätzlich Friedfisch, darunter Karpfen. Damit eignen sich die Waldseen gut als Plan B bei schwierigen Küstenbedingungen.
Ausrüstung kaufen und den Fang verwerten
Köder, Blinker und Fliegen gibt es direkt auf der Insel. Check Point Marine (Sdr. Hammer 6, 3730 Nexø) führt Material fürs Meerforellenangeln; Sport Dres (St. Torvegade 96, 3700 Rønne) ist die Bornholm-Filiale von Fiskegrej.dk; Butik Maritim (Rebslagervej 7, Tejn, 3770 Allinge) deckt Hecht-, Barsch- und Küstenausrüstung ab. So lässt sich Vergessenes vor Ort nachkaufen, ohne die Tour zu opfern.
Was man nicht selbst zubereitet, passt zur kulinarischen Seite der Insel – Bornholm ist berühmt für seinen geräucherten Hering aus den traditionellen Räuchereien, und fangfrischen Fisch serviert man in den Hafenrestaurants, über die der Ratgeber Essen und Trinken einen Überblick gibt. Wer zwischen den Angeltagen die Küste erkunden will, findet die Plätze im Überblick der Strände.