Munterer Strandausflug russischer Soldaten in den Dünen von Bornholm (Foto mit freundlicher Genehmigung von Bornholms Ø Arkiv

Munterer Strandausflug russischer Soldaten an der Badebucht von Sandvig            (Foto mit freundlicher Genehmigung von Bornholms Ø Arkiv)

Historische Hintergründe des Bornholm Krimis „Das Granitgrab

Die Tage am Ende des zweiten Weltkriegs im frühen Mai 1945 und die Zeit bis April 1946 sind traumatisch für die Bornholmer. Sie fühlten sich einmal mehr vom Rest der Dänen verraten und vergessen: Am 5. Mai 1945 kapituliert die Wehrmacht in Dänemark. Das Land ist befreit, ausgenommen die kleine Felseninsel weit draußen in der Ostsee. Bornholm ist überschwemmt von Flüchtlingen und fliehenden Soldaten, die über das Meer aus den deutschen Ostgebieten gekommen sind. Diese Menschen will der deutsche Inselkommandant von Kamptz nicht den Russen ausliefern, die längst das Meer vor der Insel und die Küsten jenseits der Ostsee in Polen und Ostdeutschland beherrschen – strategisch liegt Bornholm längst „hinter“ ihren Linien. Von Kamptz will ausschließlich vor einem Briten oder Amerikaner kapitulieren und lässt sogar die Häfen von Rønne und Nexø militärisch sichern – eine Provokation der Roten Armee. Nur zeigt kein Westalliierter Ambitionen, soweit nach Osten vorzudringen. Die Siegermächte haben ihre Einflussbereiche längst abgesteckt und Bornholm – ja, wer ist dafür überhaupt zuständig?

Der deutsche Widerstand gegen die Kapitulation hat Folgen: Am 7. und 8. Mai, während der Rest Dänemarks feiert und die Befreiung bejubelt, müssen Rønne und Nexø als einzige dänische Städte überhaupt Flächenbombardements ertragen. Zwar wird die Zivilbevölkerung rechtzeitig evakuiert, aber rund 3000 Familien werden obdachlos. Ganze Straßenzüge liegen in Schutt und Asche.

Fußball und Fest - Russische Soldaten auf dem Sportplatz von Allinge Foto mit freundlicher Genehmigung von Bornholms Ø Arkiv)

Fußball und Fest – Russische Soldaten auf dem Sportplatz von Allinge (Foto mit freundlicher Genehmigung von Bornholms Ø Arkiv)

Dann kapitulieren die Deutschen doch. Die Rote Armee landet am 9. Mai auf der Insel und bleibt 11 Monate. Bornholmer und Russen arrangieren sich, feiern zusammen oder spielen Fußball – dänische Widerstandkämpfer gegen Rotarmisten. Sogar der zukünftige König Frederik IX besucht mit seiner Prinzessin Ingrid die Insel. Das Royale Paar besichtigt die Bombenschäden und diniert mit dem russischen Kommandanten. Erst als Dänemark völkerrechtlich verbindlich erklärt, Bornholm allein sichern und verteidigen zu können, und eigene Soldaten auf Bornholm stationiert, ziehen die Russen ab. Am 5. April 1946 läuft als letztes Schiff mit Rotarmisten die Vladimir Pochulin unter dem Donner von 21 Salutschüssen aus dem Hafen von Rønne. 11 Monate nachdem bei der BBC der Satz „Dänemark ist wieder frei“ über den Sender gegangen ist, gilt dies endlich auch für Bornholm. Bis heute ignorieren die Bornholmer den offiziellen dänischen Befreiungstag am 5. Mai und feiern,  wenn überhaupt,  den 5. April.

© Hans Klüche Juni 2016

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