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Christiansø

Seefestung von 1684 mit zwei Turmmuseen

Christiansø, 18 km nordöstlich von Bornholm, ist Dänemarks einzige Schäreninsel – Seefestung von 1684 mit zwei Turmmuseen, autofrei, per Fähre ab Gudhjem erreichbar.

Die malerische Insel Christiansø mit Festungsanlagen in der Ertholmene-Inselgruppe nordöstlich von Bornholm.
Inhalt

Christiansø liegt rund 18 Kilometer nordöstlich von Bornholm und ist Dänemarks einzige Schäreninsel. Zusammen mit dem benachbarten Frederiksø, dem Vogelfelsen Græsholm und mehreren kleinen Klippen bildet sie die Inselgruppe Ertholmene – den östlichsten Landflecken des Königreichs. Wer hier ankommt, betritt eine konservierte Seefestung aus dem 17. Jahrhundert, die nie eingenommen und seit 1855 fast unverändert bewahrt wurde.

Geschichte der Festungsinsel

Bornholmer Fischer nutzten die unbewohnten Erbseninseln schon ab Mitte des 16. Jahrhunderts als Quartier während der Heringsfischerei. Die entscheidende Wende kam, als Dänemark nach dem Krieg gegen Schweden 1658 alle Gebiete östlich des Öresunds abtreten musste. Um die schwedischen Flottenbewegungen zu beobachten, befahl König Christian V. 1684 den Bau einer Seefestung.

Der norwegische Ingenieur Anthon Coucheron leitete die Arbeiten, an denen bis zu 450 Mann beteiligt waren. Es entstanden der Große und der Kleine Turm, Bastionen, Kasernen und Werkstätten. 1810 erreichte die Insel mit 829 Bewohnern ihren Höchststand. Die Festung wurde mehrfach beschossen, aber nie eingenommen – auch nicht beim englischen Angriff im Oktober 1808 während des Kanonenbootkrieges. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Waffentechnik die Anlage überholt; 1855 wurde sie aufgegeben und unter Denkmalschutz gestellt. Nirgendwo sonst in Dänemark ist ein historischer Komplex dieser Größe so konsequent im Originalzustand erhalten.

Kleine Steinkapelle auf Christiansø mit rotem Ziegeldach und Blick aufs Meer
Die kleine Kapelle von Christiansø, einst eine Waffenschmiede.

Eine Sonderstellung im Königreich

Die Erbseninseln gehören dem dänischen Staat unter dem Verteidigungsministerium und keiner Kommune – eine Ausnahmestellung im ganzen Land. Das Ministerium ernennt einen Verwalter, den die rund 90 ständigen Bewohner gern „König von Christiansø” nennen. Die Insulaner sprechen von ihrer Heimat schlicht als „Øerne” (die Inseln) und von Bornholm als „dem Land”.

Das Inselleben hat eigene Regeln: Es fallen keine kommunalen Abgaben an, der Steuersatz liegt unter dem des übrigen Dänemarks. Die Mini-Inselschule unterrichtet Kinder bis zur 7. Klasse. Die Inseln sind auto- und fahrradfrei, Hunde sind wegen der offenen Trinkwasserreservoirs nicht erlaubt. Dem strengen Denkmalschutz unterwirft sich jeder Bewohner – im Prinzip lässt sich kein zerbrochener Dachziegel einfach ersetzen, man muss einen passenden alten finden.

Was dich auf den Inseln erwartet

Die beiden Turmmuseen sind der Kern eines Besuchs, und ein Ticket gilt immer für beide Türme zusammen. Der Große Turm (Store Tårn) auf Christiansø wurde 2014 bis 2018 renoviert und trägt heute ein Glasdach über dem Leuchtturm von 1800. Drinnen warten Dauerausstellungen zu Inselgeschichte und Natur, wechselnde Kunstausstellungen und eine digitale Animation des britischen Angriffs von 1808; von der Plattform reicht der 360-Grad-Rundblick über die Schären. Der Kleine Turm (Lille Tårn) auf Frederiksø beherbergt ein rustikales Heimatmuseum zur Militär- und Kulturgeschichte – Highlight ist ein Festungsmodell von 1850.

Felsiger Hafen von Christiansø mit rundem Wehrturm und roten Dächern
Wehrturm und rote Dächer über der Hafenbucht der Erbseninseln.

Rund um die Türme prägen die gut erhaltenen Festungsmauern, Bastionen und Tore das Bild. Sehenswert sind außerdem das ehemalige Staatsgefängnis für politische Häftlinge, die historische Kirche (einst eine Waffenschmiede) und die Terrasse der Gastwirtschaft.

Die Natur der Ertholmene ist von besonderem Reiz: grauer Hammergranit, von Gletschern rundgeschliffen, dazu ein sonnigeres und trockeneres Klima als auf dem Festland. Auf dem unbewohnten Græsholm brüten rund 10.000 Silbermöwenpaare, und die Trottellumme vermehrt sich hier als einzigem Ort in ganz Dänemark. Im Frühjahr brüten überall Eiderenten. Die gesamte Inselgruppe ist Naturpark und Naturreservat.

Anreise per Fähre

Christiansø erreichst du nur per Schiff. Christiansøfarten betreibt die Fähre ab Gudhjem: im Sommer mit der M/S Ertholm, im Winter mit dem kleinen Postschiff Peter. Die Überfahrt dauert rund 55 Minuten bis eine Stunde.

  • In der Hauptsaison (etwa Ende Juni bis Ende August) fährt das Schiff mehrmals täglich ab Gudhjem, unter anderem um 10:00, 12:30 und 15:00 Uhr.
  • In Vor- und Nachsaison sowie im Winter fährt das Postboot Peter werktags – montags und freitags ab 10:30 Uhr, dienstags bis donnerstags ab 10:00 Uhr; zurück ab Christiansø meist um 13:00 Uhr.
  • Die Schifffahrt ist wetterabhängig. Den verbindlichen Fahrplan für 2026 prüfst du vor der Reise auf christiansoefarten.dk.

Die meisten Gäste kommen für einen Tagesaufenthalt von etwa drei Stunden – genug Zeit für beide Türme, einen Rundgang über die Bastionen und eine Pause an der Gastwirtschaft. Da die Schiffskapazität begrenzt ist, wirkt die Insel nie überlaufen. Wie du überhaupt nach Bornholm kommst, steht im Ratgeber zur Anreise nach Bornholm.

Übernachten und länger bleiben

Wenn am späten Nachmittag das letzte Tagesausflugsschiff ablegt, verändert sich die Stimmung spürbar. Wer bleiben möchte, hat ein paar Möglichkeiten:

  • Das Christiansø Gæstgiveri (Gasthof) vermietet sechs Doppelzimmer – Doppelzimmer ab 1.250 DKK, Einzelzimmer ab 1.150 DKK, jeweils inklusive Frühstück.
  • Der Zeltplatz an Hertugindens Bastion kostet in der Nebensaison ab 75 DKK pro Stellplatz zuzüglich Personenpreis, in der Hochsaison (21.6.–11.8.) ab 115 DKK.
  • Eine Verwaltungswohnung gibt es ab 590 DKK pro Nacht.
  • Die Jugendherberge Ballonen in den früheren Gefängniszellen ist wegen Hafenrenovierung voraussichtlich 2025 und 2026 geschlossen – vor der Buchung den aktuellen Stand erfragen.

Im Naturhafen zwischen den beiden Hauptinseln finden auch Segler Liegeplätze.

Lohnt sich der Ausflug?

Christiansø ist kein Strandziel, sondern ein Ausflug für alle, die Geschichte, raue Natur und Abgeschiedenheit suchen. Wer nur wenige Tage auf Bornholm hat, sollte den Tag bewusst einplanen – die Fähre kostet Zeit und Geld, und bei rauer See fällt sie aus. Dafür bekommst du eine konservierte Seefestung, in der man sich kaum vorstellen kann, dass über 800 Menschen hier lebten.

Gut kombinieren lässt sich der Besuch mit einem Tag in Gudhjem als Ausgangsort. Den Festungsgedanken vertieft die Burgruine Hammershus im Inselnorden, und von dort blickt man bei klarem Wetter über die Leuchttürme vom Hammeren bis hinüber nach Christiansø.

Häufige Fragen

Wie kommt man nach Christiansø?+

Mit der Fähre von Christiansøfarten ab Gudhjem. Im Sommer fährt die M/S Ertholm mehrmals täglich, im Winter werktags das Postschiff Peter. Die Überfahrt dauert rund 55 Minuten bis eine Stunde. Autos und Fahrräder bleiben am Festland – die Inseln sind autofrei.

Was kostet ein Tagesausflug nach Christiansø?+

Das Fährticket hin und zurück kostet je nach Saison 220 bis 320 DKK für Erwachsene und 120 bis 180 DKK für Kinder von 6 bis 14 Jahren; Kinder bis 5 Jahre fahren gratis. Der Museumseintritt für beide Türme kommt mit 40 DKK pro Erwachsenem hinzu. Ab 7.4.2026 gilt ein Ölzuschlag von 10 DKK pro Ticket.

Wann haben die Turmmuseen geöffnet?+

Saisonal gestaffelt von Mitte April bis Mitte Oktober. In der Hochsaison vom 18.6. bis 18.8. sind die Museen täglich von 8:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, in den Randmonaten kürzer bis 14:00 oder 16:00 Uhr. Stand 2026, vor dem Besuch prüfen.

Kann man auf Christiansø übernachten?+

Ja. Das Gæstgiveri vermietet sechs Doppelzimmer (Doppelzimmer ab 1.250 DKK inklusive Frühstück), dazu gibt es einen Zeltplatz an Hertugindens Bastion und eine Verwaltungswohnung. Die Jugendherberge Ballonen in den früheren Gefängniszellen ist wegen Hafenarbeiten voraussichtlich 2025 und 2026 geschlossen.

Darf man Hunde mit nach Christiansø nehmen?+

Nein. Wegen der offenen Trinkwasserreservoirs sind Hunde auf den Inseln nicht erlaubt.