Ganz oben auf dem Hammeren, Dänemarks einzigem Granithorst, steht ein Leuchtturm aus dem Stein, auf dem er ruht: der Hammerfyr. An klaren Tagen reicht der Blick von seiner Plattform über die Ostsee bis zur schwedischen Küste. Zwei Kilometer entfernt, unten am Wasser, hockt sein kleiner Helfer, der Hammerodde Fyr.
Hammerfyr - aus Bornholmer Granit gebaut
Kein anderer Leuchtturm in Dänemark steht auf so festem Grund. Hammerfyr thront im Norden Bornholms mitten auf dem Hammeren, genauer auf dessen höchstem Punkt, dem 70 Meter hohen Ørnebjerg. Der 21 Meter hohe Turm besteht aus genau dem Granit, auf dem er steht - die Steine wurden nur wenige Meter westlich gebrochen, dort, wo sich heute der kleine Regenwassersee Kristalsøen gebildet hat.
Auf der Aussichtsplattform, die sich um die handgeschliffene, aus Frankreich importierte Fresnel-Linse zieht, steht man 91 Meter über dem Meeresspiegel. Das sorgt an klaren Tagen für eine grandiose Fernsicht: übers Wasser bis zur Inselgruppe Christiansø und zur schwedischen Küste, übers Land bis Sandvig und Gudhjem im Osten sowie zur Burgruine Hammershus und Vang im Westen. Direkt unter dem Turm breitet sich eine ungewöhnliche Felsen- und Heidelandschaft aus.
Neues Leben nach 20 Jahren Dunkelheit
Hammerfyr wurde am 1. März 1872 in Betrieb genommen und wies den Schiffen auf der vielbefahrenen Seestraße zwischen Bornholms Nord- und Schwedens Südspitze den Weg. 1990 wurde das Licht abgeschaltet - die moderne Satellitennavigation hatte es überflüssig gemacht, und der Turm lag ohnehin zu oft in tiefhängenden Wolken. Für die Schifffahrt bedeutungslos geworden, ging er vom Schifffahrtsamt an die Naturbehörde Naturstyrelsen über.
2011 zogen Jette und Niels-Jørn Jensen in das verpachtete Leuchtturmareal und holten die Erlaubnis ein, den Turm auf eigene Kosten wieder leuchten zu lassen, wenn auch mit geringerer Lichtstärke als früher. Heute strahlt Hammerfyr wieder, empfängt jährlich rund 40.000 bis 50.000 Besucher und wird im Sommer regelmäßig von Niels-Jørn Jensen persönlich durch Führungen begleitet. Die Pächter unterhalten eine eigene Website über ihren Leuchtturm, bislang überwiegend auf Dänisch.
Hammerodde Fyr - der kleine Helfer am Wasser
Der gedrungene, viereckige Hammerodde Fyr steht auf Bornholms nördlichstem Punkt und wurde 1895 als Ergänzung zum Hammerfyr in Dienst gestellt. Seine Existenz verdankt er der ungünstigen Lage des großen Turms oben auf dem Ørnebjerg, der allzu oft im Nebel verschwindet - der niedrigere Turm am Wasser blieb auch dann sichtbar.
1962 sorgte der Hammerodde Fyr für eine Fußnote der Weltgeschichte: Sein Leuchtturmwärter meldete als einer der ersten westlichen Beobachter den Transport sowjetischer Raketen auf Frachtern - das Vorspiel zur Kubakrise. Der Turm liegt direkt am Küstenwanderweg, ist aber nicht öffentlich zugänglich; die früheren Wärtergebäude sind heute private Ferienhäuser. Von außen lohnt er sich trotzdem - allein wegen der rauen Küstenkulisse rund um die Nordspitze.
Anreise und Besuch
Anfahrt typischerweise per Auto bis zu den kostenlosen Parkplätzen am Hammerfyr (Fyrvej 15, 3770 Allinge); die nächsten Orte sind Sandvig und Allinge im Norden der Insel. Am Turm gibt es einfache Toiletten. Der Aufstieg führt über eine enge Wendeltreppe - für den Turm selbst sollte man gut zu Fuß sein.
- Der Hammerodde Fyr ist vom Parkplatz Hammerknuden in etwa 800 m über einen asphaltierten, teils hügeligen Weg erreichbar, der auch für Rollstühle geeignet ist.
- Wer Zeit hat, verbindet den Leuchtturm mit der Küstenwanderung weiter zur Salomons Kapel oder um die Nordspitze bis zum Hammer Havn.
- Verpflegung gibt es nicht am Turm selbst; das nächste Angebot findest du in Sandvig, Allinge oder am Hammer Havn.
Lohnt sich der Besuch?
Für die Fernsicht ist Hammerfyr einer der schönsten Aussichtspunkte Bornholms - aber nur bei klarem Wetter. Bei tiefhängenden Wolken bleibt der Blick im Nebel stecken, dann lohnt der Aufstieg kaum. Plane den Besuch also nach dem Wetter und kombiniere ihn mit der nahen Burgruine Hammershus sowie dem Küstenwanderweg rund um den Hammeren. Mehr zu Bornholms Leuchttürmen findest du im Guide Leuchttürme.